Ich lese mich zurzeit sehr intensiv in eine Menge Fachliteratur ein, vor allem zum Thema Lichttechnik für Porträt- und Aktfotografie. Auch wenn ich diesbezüglich schon einige Bücher gelesen habe, und ja auch schon ein wenig Praxiserfahrung sammeln konnte, ist es doch immer hilfreich und interessant, die Sichtweisen mehrerer Fotografen dazu zu lesen bzw. zu hören. Einiges davon, quasi die “hard facts” wiederholen sich dadurch natürlich zwangsläufig, doch so Manches wird von unterschiedlichen (selbsternannten) “Experten” völlig unterschiedlich erklärt bzw. praktiziert. Und mit einigem davon bin ich so gar nicht einverstanden.
Neben den bereits erwähnten, weit verbreiteten – und im wohlwollendsten Fall als “irreführend” zu bezeichnenden – Angaben bezüglich der ppi eines Fotos für Webdarstellung bin ich nun in einem aktuellen Buch zum Thema “Fotografieren im Studio” über eine solche, recht ausführlich beschriebene Praxis gestossen, der ich mich so rein gar nicht anschließen kann. Da es mir um die Sache geht, und nicht daran, auf irgend jemanden mit dem Finger zu zeigen, werde ich weder das Buch, noch den Autor nennen.
Licht im Studio
Beschrieben wird hier folgendes zum Thema Belichtungsmessung im Studio: Die Studioblitzanlage ist ja nicht “logisch” mit der Kamera verbunden, sondern ein in sich autarkes Sytem. Die Blitzanlage “weiß” nicht, welche Einstellungen an der Kamera vorgenommen wurden, und im Gegenzug weiß die Kamera nichts davon, wie stark die Blitzanlage eingestellt ist (bzw. dass überhaupt eine Blitzanlage vorhanden ist!). Somit muss – in irgend einer Form – ermittelt werden, mit welchen Belichtungseinstellungen fotografiert werden muss, was in der Regel über einen (externen) Belichtungsmesser funktioniert (extern im Sinne von: Nicht der in der Kamera eingebaute). So weit so gut und so richtig.
Was rät uns das Buch nun, wenn im Zuge der Belichtungsmessung festgestellt wird, dass das Foto mit den aktuellen Kameraeinstellungen über- oder unterbelichtet wäre? Nein, nicht etwa die Blitzleistung entsprechend zu verändern, sondern: Die Blende an der Kamera entsprechend anzupassen!
Niemals – ich betone – NIEMALS! – würde ich meine Blendeneinstellung im Studio ändern, um die Belichtung zu korrigieren! Die Blende ist bekanntlich eine essentiell wichtige Einstellung, um über das Maß der Schärfentiefe zu entscheiden (Erklärungen dazu, was Schärfentiefe ist, gibt es Unmengen im Netz – kurz und gut ist z.B. diese hier: Schärftentiefe/Tiefenschärfe). Für ein Shooting überlege ich mir am Beginn ganz bewusst, mit welcher Blende ich es durchführen möchte, eben weil ich geringe oder hohe Schärfentiefe erzielen möchte – und ab dann greife ich diese Einstellung nicht mehr an! Da ich auch nicht über die ISO gehen möchte (ich will ja kein – im Studio völlig unnötiges – Bildrauschen verursachen), bleibt somit nur noch eine Möglichkeit, welche doch bitte wohl auch die logischte und naheliegenste sein sollte: Ich ändere die Stärke der Blitzleistung! Foto = überbelichtet = zu viel Licht = für weniger Licht sorgen! Irgendwie schon logisch, oder?
Sollte es so sein, dass ich eine Session mit Offenblende durchführen möchte (also der größten Blendenöffnung, die ein Objektiv zur Verfügung hat), weil ich eben eine sehr geringe Schärftentiefe erzeugen möchte, das Foto dadurch aber trotz niedrigster ISO-Einstellung, und trotz bereits geringster Einstellung der Blitzanlage immer noch überbelichten – nun, dann habe ich ein ernstes Problem mit der Blitzanlage, die schlicht für diese Zwecke zu stark ist! In solchen Fällen bleibt mir dann wohl tatsächlich nur noch (wenn ich die Blitzköpfe auch nicht mehr weiter vom Modell entfernen will/kann) es über die Blende auszugleichen, wodurch ich aber nicht mehr den von mir gewünschten Effekt erzielen würde. In diesem Fall würde ich mir aber ernsthaft überlegen, die Blitzanlage zu ersetzen bzw. um leistungsschwächere Blitzköpfe zu erweitern. Gerade im Bereich der Portraitfotografie gilt hier eindeutig meist eher das Gegenteil von “mehr ist besser!” Zu wenig Licht passiert hier wohl deutlich seltener, als schlicht zu viel Licht.
Erschreckend finde ich, dass solche Tipps von Leuten geschrieben sind, und in Büchern veröffentlicht wurden, die selbst seit Jahren professionelle Fotografen sind (zumindest laut Eigenangabe). Umso wichtiger ist es, nicht nach einem Buch, oder einem Lehrgang zu glauben, alles gelernt zu haben, und dann stur diesem eingetrichterten Weg zu folgen. Immer mehrere Meinungen einholen, je unterschiedlicher sie sind – umso besser! Denn das regt zum Nachdenken darüber an, wie man dieses oder jenes Thema denn so dermaßen unterschiedlich betrachten kann. Woraus man dann schließlich seine eigene Meinung bilden kann.
Mal wieder höchste Zeit einfach nur für ein paar Fotos, ohne langatmigen Erklärungen dazu!
Zwei Impressionen aus der verschneiten Lobau:
Lobau I
Lobau II
Hier ein Beispiel, dass es nicht immer das sündteure Equipment sein muss. Bei diesem Stadtspaziergang hatte ich nur mein iPhone dabei, das für diese Schnappschüsse allemal reichte! (Wenngleich die Kamera im iPhone wirklich nicht besonders gut ist…)
iPhone / Gleise der U4
iPhone / Kleine Donau (Donaukanal)
iPhone / Verschneiter Innenhof
Zu guter Letzt noch zwei Aufnahmen von heute aus der Wiener Innenstadt, konkret am Graben. Grad zu diesem Zeitpunkt setzten die heftigeren Schneefälle ein… eigentlich wollte ich noch mehr Aufnahmen in der Stadt machen, allerdings waren mir Fotos von “Wien im Gatsch” letztlich doch nicht das Risiko wert, dass meine Kamera Schaden nimmt…
Am Graben Weihnachtsbeleuchtung I
Am Graben Weihnachtsbeleuchtung II
Zu den beiden letzten Fotos gibt es noch eine kleine Geschichte: Ich war grad dabei, mein Stativ aufzubauen, geschützt vor den Schneefällen unter einer Bauabdeckung, als mich ein italienischer Tourist ansprach. Wobei “ansprach” fast übertrieben ist, er sagte nur “photo, please?”, und hielt mir seine Kamera entgegen. Damit war ja aber auch wirklich alles notwendige geklärt – gerne doch, bin doch ein hilfsbereiter Wiener!
Ich schaute mir die Kamera nicht sehr genau an, doch es war auf dejn ersten Blick eindeutig eine Canon SLR der 4xx-Klasse – die haben ja (anders als bei den “Profi”-Geräten, die sich mit sowas ja nicht mehr “abgeben”) noch einen eingebauten Blitz. (Ich werde nie verstehen, warum eingebaute Blitze in den Top-Modellen, die ein X-faches der Consumergeräte kosten, so verpönt sind, aber bitte. Hat wohl die gleiche Logik wie Korken in Weinflaschen – erwiesener Maßen nicht ideal für die Lagerung, aber trotzdem kaum umzubringen. However…). Ich achtete gar nicht erst auf die Einstellungen, sondern wartete, bis die italienische Family versammelt war, wählte einen aus meiner Sicht hübschlichen Bildausschnitt, und drückte ab. Meine Erwartung: Ein dunkles irgendwas, auf dem man fast nichts erkennen konnte – wie denn auch mit dem Mini-Blitz, und einer Kamera, die wohl auf Automatik gestellt war. Ich hätte dann artig gefragt, ob ich denn die Kameraeinstellungen ein wenig verändern darf. Doch weit gefehlt, das Foto erschien im Display gut belichtet – die Familie im Vordergrund war vom kleinen Blitz ausreichend ausgeleuchtet, und auch der Hintergrund war nicht im Dunkeln abgesoffen. Auf den ersten Blick ein eigentlich perfektes Foto. Wir machten sicherheitshalber noch ein Zweites, er schaute sich dann das Ergebnis im Display an, ich bekam ein “Mille Grazie!”, und alle waren wir happy!
Meine beiden Aufnahmen (die zwei besten aus der Serie von rund 20 Bildern) entstanden auf ganz andere Art: Ohne Blitz (klar, ich wollte ja auch keine Leute im Vordergrund fotografieren), dafür am Stativ und mit langer Belichtungszeit. Die lange Belichtung wollte ich ganz bewusst einsetzen, um die sich bewegenden Personen möglichst verschwimmen zu lassen, und somit im Idealfall nur noch die “statischen” Objekte auf den Fotos zu sehen – eine grundsätzlich ganz gute Vorgangsweise für solche Aufnahmen.
In diesen Fällen war er aber nicht die ideale Entscheidung. Um die lange Belichtung zu erreichen, musste ich letztlich mit den ISO bis auf 50 runter gehen, und die Blende auf 10 bis 13(!) einstellen. Und was sich bewegte waren nur einige, aber nicht alle Passanten, dafür aber die Beleuchtung im Wind!
Resultat: Die einzelnen Lichter der “Kronleuchter” sind verwackelt, und erscheinen dadurch vor allem im hinteren Bereich fast eher als Fläche, statt als einzelne Lampen. Dafür sind einige Personen zwar wie gewünscht nur als “Schatten” sichtbar, bei vielen anderen, die nur herumstanden, hat das aber freilich gar nichts gebracht.
Im Grunde ärgere ich mich nun ein wenig über mich selbst, und die Quintessenz aus dieser Geschichte lautet für mich: Manchmal hat man eine feste Vorstellung, wie etwas ablaufen sollte. Das ist gut und wichtig für die Planung, vor allem wenn ich z.B. ein Portraitshootings denke. Mit “Komm mal, und wir machen dann halt ein paar Fotos” ohne jedem Plan dahinter wird die Chance für zufriedenstellende Fotos wohl sehr gering sein. Im Gegenzug sollte man sich aber die Flexibilität bewahren, die Situation dann im Zuge der Umsetzung auf Grund der nun klar ersichtlichen Gegebenheiten neu zu beurteilen, und die geplante Vorgehensweise entsprechend zu adaptieren -was im Extremfall auch einen völligen Bruch mit der ursprünglich geplanten Umsetzung bedeuten kann!
Im konkreten Fall wären die Ergebnisse wohl besser gewesen, wäre ich lieber auf 400 oder 800 ISO raufgegangen, die Blende etwas weiter geöffnet, und hätte dadurch erheblich kürzer belichtet! Mal sehen, vielleicht geht es sich aus, und ich kann die Aufnahmen dieses Wochenende wiederholen, sofern die Beleuchtung da nicht bereits entfernt wurde… falls ich das schaffe, werde ich die Ergebnisse zum Vergleich natürlich hier präsentieren!
Zu meiner Entschuldigung kann ich nur sagen: Es hat wirklich ziemlich heftig geschneit, mir war kalt in den Fingern, da ich die Kamera nicht mit Handschuhen bedienen kann, und überhaupt… Aber wem will ich denn hier was einreden!?
Diesmal zur Abwechslung keine Fotos, sondern ein kleines Video, erstellt mit meiner EOS 5D Mark II. Geschnittten und konvertiert von der Original-HD Auflösung 1080p (1920x1080) mit Adobe Premiere Elements 4.0 in 720p (1280x720).
Das Video hat somit trotz seiner nur 15 sek. Laufzeit immer noch rund 30 MB -- daher nicht wundern, wenn der Download je nach Bandbreite vielleicht etwas länger dauert…
Allen Freunden und Besuchern von photoartpro.com ein wunderbares neues Jahr 2010!
Als reiner Hobbyknipser muss man sich um das Thema “Farbräume” in der Regel keine Gedanken machen. Es war für mich auch immer recht erstaunlich zu beobachten, wie wenig auf Echtheit der Farben geachtet wird. Wann immer ich Leute darauf aufmerksam gemacht habe, dass die Farben ihres gedruckten/ausbelichteten Fotos so gar nicht zu den Farben am Bildschirm passten, erntete ich meist nur ein “Ahja, stimmt… ist mir gar nicht aufgefallen!”.
Das ist für mich letztlich auch der Knackpunkt bei der Frage, ob man sich mit dem Thema der Farbräume – über welche (bei korrekter Anwendung) die korrkte Farbwiedergabe über alle Ausgabemedien sichergestellt wird – überhaupt beschäftigen muss oder will.
Wie wichtig sind Farbräume?
Wie wichtig ist es, dass die Farben “stimmen”? Nun, dass eine blaue Sonne oder rotes Gras vielleicht als Kunst durchgehen kann, aber als Ergebnis der Urlaubsaufnahmen nicht akzeptabel wäre, hat wohl nicht sehr viel Diskussionspotential. Doch ist es wichtig, dass der Farbton wirklich exakt dem Original entspricht? Ein klares “Ja” kommt dafür als Antwort für die Produktfotografie im Marketing, hier reicht es nicht, wenn das Firmenlogo “rot” ist, es muss wirklich exakt das Rot sein, welches bei Firmengründung gewählt wurde, alles andere würde der Kunde nicht akzeptieren (können). Deshalb müssen sich vor allem Werbefotografen wirklich peinlich genau um akkurate Farbwiedergabe kümmern.
In vielen anderen Bereichen muss die Farbwiedergabe vielleicht nicht ganz so genau genommen werden, oft ist sogar das Gegenteil der Fall: Menschen haben in der Regel einen natürlichen Drang zu “wärmeren” Farben, also rot/gelb-Tönen. Instinktiv empfinden wir eine Landschaftsaufnahme meist als “schöner”, wenn sie in warmen Tönen gehalten ist, wie bei Sonnenauf- oder -untergängen. Ich habe das natürlich nie empirisch getestet, wage aber zu behaupten, dass das sogar so weit geht, dass wir eine solche Aufnahme jedenfalls dann als “richtiger” betrachten, wenn die Farben nachträglich in den rötlich/gelben Bereich verschoben wurden, obwohl das gar nicht dem Original entspricht. Oftmals geht es also gar nicht darum, die Realität wirklich exakt abzubilden, sondern ganz im Gegenteil. Man denke auch nur an die diversen Filter, die man vor allem in der Hochblüte der analogen Fotografie vors Objektiv schraubte, um eben z.B. dem Horizont einen rötlichen Ton zu verpassen. Heutzutage wird das natürlich großteils nachträglich digital am Rechner gemacht. (Besonders peinlich finde ich immer die Landschaftsdarstellungen der Serie CSI Miami – schon mal aufgefallen? Da ist dann meist leider nicht nur der Himmel orange eingefärbt, sondern auch alle Gebäude, die dummer Weise im Weg standen…
Wenn die Farben doch stimmen sollten!
Nichts desto trotz, irgendwann kommt auch im Leben eines jeden Hobbyfotografen der Tag, an dem einem die Farben eines Fotos am Monitor so gut gefallen, dass man sie exakt so, und nicht anders zu Papier bringen, und an die Wand hängen möchte. Und da kann es dann sein, dass man die große Enttäuschung erlebt, wenn der sündteure Druck auf dem sündteuren Spezialpapier so ganz anders aussieht, als man erwartet hat.
Es gibt unzählige Artikel über die Funktionsweise der sogenannten “Farbräume”, ja ganze Bücher kann man nur mit diesem Thema füllen! Und immer – wirklich IMMER – wenn ich eine Diskussion dazu in irgend einem Forum lese, gehen am Ende zwei (mehr oder weniger) “Experten” auf einander los, weil ihre Meinungen darüber, wie Farbräume tatsächlich im Detail “funktionieren”, diametral auseinandergehen. Beide kippen dann seitenweise ihre Argumente in das Forum, und am Ende ist man fast genauso schlau, wie zuvor, weil irgendwie alles sehr vernünftig und logisch klingt – auch wenn es einander widerspricht.
Ich möchte mich hier daher wirklich ganz bewusst möglichst simpel halten – doch wenn ich mir anschaue, was ich allein bis jetzt schon runtergetippt habe, kann ich nur hoffen, dass es mir halbwegs gelingen wird…
Additive Farbsynthese (aus Wikipedia)
Etwas grundsätzliches sollte als Basis mal jedem einleuchten: Fernseher, Monitore, Beamer – alles was “strahlt” stellt Farben zwangsläufig völlig anders dar, als Farben auf bedrucktem Papier sich zusammenstellen. Wenn man die drei Grundfarben am Monitor – Rot, Grün und Blau – zu 100% mischt, bekommt man weiß, das nennt sich “additive Farbmischung”. Mischt man alle Grundfarben eines Druckers, bekommt man garantiert nicht weiß, sondern ein schmutziges dunkelbraun – das weiß jeder noch aus seiner Schulzeit, Stichwort Malkasten. Das nennt sich dann “subtraktive Farbmischung”. Offensichtlich gelten für diese Geräte also völlig andere Regeln, wie die Farben zusammengesetzt werden müssen.
Darüber muss sich der Anwender zum Glück keine Gedanken machen, weil die Software ihm das abnimmt. Es ist nur gut, dieses Wissen immer im Hintergrund zu behalten.
Doch bleiben wir vorerst innerhalb der gleichen Geräteklasse: Werden die Farben eines Fotos auf jedem Monitor der Welt gleich dargestellt? Nein, natürlich nicht. Das liegt daran, dass die Monitore nunmal unterschiedlich “gut” sind: Natürlich kann jeder Monitor die Farbe “Rot” darstellen, aber der einen eben “besser” = intensiver, als der andere. Habe ich in einem Foto nun z.B. ein “reines” Rot, so wird dies über den sogenannten RGB-Wert von 255.0.0 dargestellt. RGB steht für Rot-Grün-Blau, und sagt aus, wie sich eine Farbe am Bildschirm zusammensetzt, wobei 255 den Maximalwert darstellt. RGB 255.0.0 gibt dem Ausgabegerät also das Signal: Diesen Pixel stellst du “100% rot” dar.
Ohne “Management” dahinter macht nun jeder Monitor auf der Welt genau das: Er stellt das knalligste Rot dar, das er kann. Und das ist nunmal bei einem teuren Spitzenmodell erheblich knalliger, als bei einem günstigen Monitor. Ergo: Das Bild würde auf jedem Monitor anders aussehen.
Um dem entgegen zu wirken wurde das Farbmanagement geschaffen, und die sogenannten “Farbräume”. Auf die Unterschiede der Farbräume werde ich im 2. Teil dieses Artikels näher eingehen, hier möchte ich zunächst beim grundsätzlichen Farbmanagement, und dem Standardfarbraum sRGB bleiben. Der Gedanke dahinter ist einfach: Es muss eine Art “Regelwerk” geschaffen werden, damit die Farbwiedergabe über alle Geräte so akkurat wie möglich bleibt. Dazu müssen die einzelnen Geräte miteinander “sprechen”.
Bleiben wir beim Beispiel mit dem knalligen Rot. Angenommen ein solches Foto ist auf meiner Festplatte gespeichert, und ich öffne es, um es mir auf meinem Notebookschirm anzusehen. Eine Anwendung vorausgesetzt, welche Farbmanagement auch beherrscht (z.B. Adobe Photoshop, aber auch der “Bild- und Faxbetrachter” in Windows ab XP) gleicht dann vor der Darstellung die im Foto gespeicherten Farbinformationen mit dem Notebookdisplay ab. Es “fragt” also quasi beim Bildschirm nach: “Was ist das knalligste Rot, das du darstellen kannst?” Abhängig von der “Antwort” wird dann unter Umständen der Ausgabewert entsprechend angepasst. Verfügt das Display über keinen besonders großen Farbraum, würde diesem vielleicht tatsächlich der Wert 255.0.0. übergeben werden, um das “reinste” Rot darzustellen, das es kann – was vielleicht immer noch nicht ausreicht, um wirklich das Rot darzustellen, wie es dem Original entspricht! In diesem Fall hat man schlicht die technische Grenze des Geräts erreicht, mehr geht halt nicht. Das Foto würde somit in diesem Fall also nicht in seinen “echten” Farbe darstellbar sein. Ein modernes Display z.B. mit RGB-LED Hintergrundbeleuchtung hat einen deutlich größeren Farbraum, kann also mehr bzw. intensivere Farben darstellen. Hier ist es dann wahrscheinlich, dass der Wert reduziert werden muss, damit der Monitor ihn nicht zu intensiv darstellt. Somit würde der externe Monitor vielleicht mit dem Wert 243.12.15 zur Anzeige “beauftragt” werden, um das “korrekte” Rot darzustellen. Sprich ein solches Display hätte sogar noch Potential nach oben, während das ältere Display bereits sein technisches Limit erreicht hat.
Ergo: Sofern sich alle Geräte noch innerhalb ihrer technischen Spezifikationen bewegen, stellt Farbmanagement sicher, dass die Farben auf allen Geräten identisch dargestellt werden. Wo dies nicht mehr der Fall ist, wird zumindest eine Annäherung erzielt.
CMYK-Farbmischung (aus Wikipedia)
Das Farbmanagement macht aber eben nicht bei der korrekten Bildschirmdarstellung halt, sondern erstreckt sich über alle Ausgabegeräte, also auch den Drucker. Und hier gibt es ja noch viel mehr zu tun, denken wir zurück an dem Malkasten: Ein Drucker arbeitet nach einem völlig anderen Prinzip, und verwendet in der Regel auch nicht die Farben Rot, Grün und Blau, sondern – neben schwarz – Cyan, Magenta und Gelb, weshalb dieser Farbraum CMYK gennant wird (Cyan, Magenta, Yellow und “Key” für schwarz; die Erklärung für das “K” erspare ich mir an dieser Stelle, und verweise auf den entsprechenden Eintrag in Wikipedia!). Hier ist es also noch viel wichtiger, dass die Angabe der korrekten Farben für das Ausgabegerät “übersetzt” wird, und natürlich gilt auch hier: Unterschiedliche Drucker können Farben unterschiedlich intensiv drucken!
Es leuchtet also ein, dass einiges an Kommunikationsaufwand zwischen den Geräten notwendig ist, um zu richtigen Ergebnissen zu kommen. Diese Kommunikation muss natürlich – wie auch bei uns Menschen – in einer Sprache erfolgen, die alle Geräte verstehen, und damit sind wir bei den Farbräumen angelangt. Was muss man sich unter diesem Begriff vorstellen?
Unendliche Farben, gezähmt
In der Natur gibt es unendlich viele Farben. Ist einfach so, auch ich persönlich tu mir mit dem Begriff der “Unendlichkeit” immer schwer. Doch es gibt nunmal zwischen jeder Nuance eines Farbtons immer die (theoretische) Möglichkeit, eine weitere Nuance dazwischen zu quetschen, wie klein auch immer sie sein mag. Geräte wie Monitore und Drucker können natürlich nicht “unendlich” viele Farben darstellen, auch wenn die technische Entwicklung dafür sorgt, dass es immer mehr Farben werden. Man musste sich also zunächst mal auf eine vernünftige Basis als “Rahmen” für alle darstellbare Farben einigen, eben dem sogenannten “Farbraum”. Ein Farbraum stellt klar definierte Grenzen innerhalb der unendlichen Farben dar.
Der Farbraum, der sich vor allem im “Consumer-Bereich” als Standard durchgesetzt hat, heißt sRGB. Es gibt kein Gerät am Markt, welches diesen Farbraum nicht unterstützt, wohlgemerkt: Unterstützt, nicht aber zwangsläufig vollständig abdeckt, also darstellen kann! Erst seit Kurzem etablieren sich z.B. (noch recht teure) Monitore, welche den sRGB Farbraum vollständig darstellen können, einige gehen sogar schon (deutlich) darüber hinaus. (Vor allem die bereits erwähnte Technik der RGB-LED Beleuchtung von Displays ist hier ein großer Schritt in diese Richtung).
Was muss man nun tun, damit dieses Farbmanagement funktioniert? Zwei Dinge: Anwendungen verwenden, die Farbmanagement beherrschen, und das entsprechende Farbprofil – also z.B. sRGB – auch in das Foto “einbetten”. Das machen die meisten Anwendungen automatisch, doch es gibt beim Vorgang des Speicherns oftmals auch Dialoge, in denen man gefragt wird, ob das Profil eingebettet werden soll. Es gibt de facto kaum einen vernünftigen Grund, diese Auswahl nicht vorzunehmen.
So, jetzt aber wirklich mehr als genug geschwafelt, Zeit für ein paar anschauliche Beispiele!
Farbkreis
Das oben gezeigte Testbild wurde mir freundlicherweise von Heinz-Jürgen Groß / DeltaE. Image Consulting zur Verfügung gestellt.
Was hat es mit diesem Farbkreis auf sich? Je nachdem, in welchem Browser man ihn öffnet, sieht man korrekte oder falsche Farben. Wenn der Kreis dort wo “rot” steht auch tatsächlich rot ist, dann handelt es sich um einen Browser, der Farbmanagement unterstützt. Das ist z.B. bei Firefox ab Version 3.0 der Fall (sofern es in den Optionen auch aktiviert ist!). Hat die Beschriftung jedoch so rein gar nichts mit den dargestellten Farben zu tun, ist Farbmanagement nicht aktiv, also z.B. beim Internet Explorer, selbst in der zurzeit aktuellen Version 8.
Was geschieht hier? In diesem Bild ist nicht sRGB als Farbraum eingebettet, sondern ein spezielles Profil, welches dem Farbmanagement die korrekte Information der Farben übermittelt. Es wurde also ein Kreis gezeichnet, der ursprünglich tatsächlich blau an dem mit “rot” beschrifteten Bereich erstellt wurde. Erst über das Farbprofil wurden dann die Farben so “hingebogen”, dass eben dieses blau tatsächlich rot dargestellt wird. Dieses Beispiel soll zeigen, welche “Macht” ein Farbprofil auf die Darstellung eines Bildes hat. Nun kann man sich also ungefähr vorstellen, was bei Verwendung eines falschen, sprich nicht zum Ausgabegerät passenden Profils alles passieren kann…
Kehren wir nochmal konkret zu dem Beispiel mit dem “knalligen rot” zurück. Dieses setzt aktives Farbmanagement voraus, sprich dass der Farbkreis oben korrekt dargestellt wird!
Rot ohne Profil
Für dieses Quadrat wurde der RGB-Wert 255,0,0, also “reines Rot” verwendet, und das Bild wurde ohne eingebettetem Farbprofil gespeichert.
Rot sRGB
Dieses Quadrat wurde mit dem gleichen Farbwert erstellt, hier wurde jedoch sRGB als Profil eingebettet.
Das Ergebnis: Da beim oberen Quadrat keinerlei Einschränkung in der Interpretation der Farbe vorgenommen wird, stellt der Monitor das “reinste” Rot dar, das er kann. Beim unteren Quadrat wurde jedoch eine “Grenze” eingezogen: Es soll “nur” das reinste Rot dargestellt werden, welches der Farbraum sRGB kennt!
In vielen Fällen wird man – auch in einem Browser, der Farbmanagement unterstützt – keinen Unterschied zwischen diesen beiden Quadraten sehen, da der Monitor schlicht kein kräftigeres Rot als maximal sRGB darstellen kann. Ganz andes sieht das aber auf Monitoren aus, welche einen Farbraum größer als sRGB unterstützen: Hier wird das obere Quadrat deutlich “knalliger” dargestellt, als das untere!
Das ist auch der Grund, warum man über das Problem falscher Farbdarstellung am Bilschirm noch nicht gar so oft stolpert: Weil zurzeit noch die Monitore die natürliche Grenze darstellen, und nicht der Farbraum! Das ändert sich aber nun zusehens, in ein paar Jahren werden Monitore mit großen Farbräumen die Regel, und nicht mehr die Ausnahme sein. Und spätestens dann wird sich schleißiges Vorgehen beim Farbmanagement in der Vergangenheit rächen – wenn dann Fotos auf dem neuen Schirm plötzlich völlig übertrieben und unnatürlich knallig aussehen.
Wie bereits erwähnt, es gibt natürlich noch viel, viel mehr zu diesem Thema zu sagen! Doch abgesehen davon, dass ich mich in meinem Blog in erster Linie an Einsteiger und Hobbyfotografen richte, die die Zusammenhänge in möglichst einfachen Worten erklärt haben möchten, regt es ja vielleicht an, sich tiefergehend mit der Materie zu beschäftigen. Ich mache hier erstmal vorerst Schluss, es ist ja noch (zumindest) ein 2. Teil vorgesehen! In diesem möchte ich dann auch versuchen auf die Probleme einzugehen, über die man beim Farbmanagement so stolpern kann – und das können eine ganze Menge sein!
Ich war erstaunt: Auf einer – aus meiner Sicht grundsätzlich sehr guten und interessanten – aktuellen Lehr-DVD eines erfolgreichen Aktfotografen war folgender Hinweis zu vernehmen: Fotos sollten fürs Web nicht mehr mit 72 ppi gespeichert werden, da dies veraltet sei, und nicht mehr der Auflösung aktueller Displays entspricht, die eher im Bereich 100 ppi darstellen. Ergo sollte man die Fotos auch dementsprechend mit 100 ppi veröffentlichen.
Warum erstaunte mich diese Aussage? Nun, weil sie leider völliger Unsinn ist! Denn die ppi (pixel per inch) eines Fotos entscheiden niemals in irgend einer Form über die Darstellung am Schirm!
Anbei ein plakatives Beispiel: Das erste Foto wurde gespeichert mit 1 ppi, das zweite mit 300 ppi – und nein, das sind keine Tippfehler von mir!
Möwe mit 1 ppi
Möwe mit 300 ppi
Kein Unterschied zu sehen? Ja, natürlich nicht! Beide Fotos haben jeweils 300 x 200 Pixel, und sind am Laufwerk auch jeweils exakt 38,6 KB klein.
Wie kann das sein? Was ist dann der Unterschied zwischen diesen beiden Fotos? Irgend einen Sinn muss die Angabe der ppi doch haben…?
Pixelmaß vs. Auflösung vs. physische Größe
Langam und der Reihe nach! Schauen wir uns die technischen Daten der jeweiligen Fotos mal an:
Bildgröße bei 1 ppi
Bildgröße bei 300 ppi
Was sehen wir hier: Die Angaben im oberen Bereich unter “Pixelmaß” sind identisch, wie bereits erwähnt. (Die 175,8 KB entsprechen dem “echten” Speicherbedarf des Fotos, ohne Komprimierung der Daten, wie es beim Speichern als jpg-File erfolgt). Die Unterschiede zeigen sich im unteren Bereich bei der Angabe zur Dokumentgröße: Während das 300 ppi-Foto eine Ausgabegröße von 2,54 cm x 1,69 cm hat, würde das 1 ppi-Foto mit 762 cm x 508 cm ausgegeben werden – ausreichend Tinte und Papier kaufen nicht vergessen!
So viel zu den Tatsachen. Verwirrt? Keine Sorge, es ist ein Wahrheit ganz einfach, wenn man sich folgende einfache Regeln merkt:
Das, was man landläufig als “Auflösung” eines Fotos bezeichnet – also im konkreten Beispiel 300 x 200 Pixel – ist eine irreführende, da falsche Verwendung des Begriffs. Korrekt muss man von “Pixelmaß” sprechen (oder auch schlicht “Pixelanzahl”), und nur dieses Pixelmaß entscheidet über die Größe des Fotos am Bildschirm!
Die ppi sind eine zusäzliche Information, welche das Foto enthält (eingebettet in den Zusatzdaten des Fotos, wie auch z.B. die EXIF-Informationen), welche nur im Zuge des Drucks des Fotos abgefragt wird. Auf die “harten”, absoluten Pixelmaße des Fotos hat dies keinerlei Auswirkung!
Mitberücksichtigen muss man allerdings die Auflösung, als auch die physikalische Größe des Displays, auf welchem die Fotos dargestellt werden. Es leuchtet ein: Ist ein Display 17 Zoll groß, und hat eine Auflösung von 1280 x 1024 Pixeln, dann wird ein Foto mit exakt diesem Pixelmaß von 1280 x 1024 Pixeln natürlich auch exakt in dieser Größe formatfüllend dargestellt, und ist somit “physisch” 17 Zoll groß. Öffnet man das gleiche Foto auf einem 19 Zoll großen Monitor, welcher die gleiche Auflösung hat, ist das Foto dort ebenfalls formatfüllend, aber eben 19 Zoll groß dargestellt!
Wenn man diese 3 Punkte mal verinnerlicht hat, dürfte wohl eigentlich alles klar sein – oder?
Wenden wir uns nochmal dem Druck zu: Erst hier wird die im Foto eingebettete Information der ppi wichtig. 1 ppi sagt dem Drucker tatsächlich: “Drucke 1 Pixel pro Zoll!” Ein Zoll entsprich 2,54 cm, ergo wäre dann ein Pixel am Print tatsächlich 2,54 cm groß! Da dieses kleine Beispielfoto 300 dieser Pixel in der Breite aufweist, wäre ein Druck somit wie bereits erwähnt 300 x 2,54 = 762 cm breit! Dementsprechend sieht dann auch die Druckvorschau aus:
Druckvorschau für 1 ppi-Möwe
Hier zu sehen ist das, was auf einem Blatt in A4-Größe gedruckt werden würde… das Gesamtergebnis, nachdem man viele, viele Seiten aneinander gereiht hätte, sollte man sich dann nur mit einiger Distanz ansehen, um zu erkennen, was es darstellt…
dpi vs. ppi
Zu guter Letzt noch als Ergänzung ein weiterer, weit verbreiteter Irrtum: dpi ist nicht ein Synonym für ppi! dpi = “dots per inch”, und ist eine Angabe, die rein gar nichts mit dem Foto, sondern einzig mit dem Drucker zu tun hat! Die “Dots” eines Druckers sind nicht gleichzusetzen mit den “Pixeln” eines Bildschirms! Ein solcher “Dot” ist der absolut kleinste Punkt, den ein Drucker in der Lage ist zu Papier zu bringen. Bei modernen Druckern sind diese so klein, dass man sie mit freiem Auge nicht mehr erkennen kann! Um einen einzigen Pixel darzustellen, verwendet ein moderner Drucker somit u.U. tausende einzelner “Dots”.
Schafft ein Drucker also z.B. eine Auflösung von 2400 dpi, dann wird (Korrektheit der Angabe des Druckerherstellers vorausgesetzt…) ein einziger Pixel(!) eines Fotos aus (bis zu) 2400 solcher “Dots” zusammengesetzt -wobei man hier berücksichtigen muss, dass immer erst mehrere “Dots” in unterschiedlicher Farbe dem einzelnen Pixel die für uns Menschen wahrnehmbare “Mischfarbe” geben!
Nichts Neues…
Natürlich sind bereits seit vielen Jahren etliche Artikel im Netz zu finden, welche diese Zusammenhänge mehr oder weniger ausführlich erklären (Ich habe mich bemüht, hier beim Umfang ein gutes Mittelmaß zu finden). Allerdings auch immer noch sehr viel Fehlinformation, ja sogar aktuelle Lehrinhalte werden – wie oben erwähnt – noch mit schlicht falschen Angaben produziert. Hier kann also offenbar ein Artikel mehr immer noch nicht schaden…